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Trockene Augen durch Medikamente

Trockene Augen, medizinisch Sicca Syndrom genannt, zeigen häufig Symptome, die unangenehm sind: Die Augen sind gerötet, jucken und brennen. Oft entsteht ein Fremdkörper- oder Sandkorngefühl im Auge. Bei jedem Blinzeln reibt das Augenlid schmerzhaft über die trockene Augenoberfläche.

 

Die Ursachen für trockene Augen sind unterschiedlich, unter anderem können Medikamente als Nebenwirkung trockene Augen hervorrufen. Welche Medikamente sind das und wie wirken sie?

Medikamente können als Nebenwirkung trockene Augen auslösen.
Trockene Augen können als Nebenwirkung von unterschiedlichen Medikamenten ausgelöst werden.

Anti-Baby-Pille

Frauen leiden häufiger unter trockenen Augen als Männer. Das hat vor allem hormonelle Gründe, denn das weibliche Geschlechtshormon Östrogen kann die Tränenproduktion beeinflussen und so zum Austrocknen der Augen führen. Auch wenn Östrogene als Arzneimittel eingenommen werden, zum Beispiel bei der Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden, sind trockene Augen als unerwünschte Wirkung möglich. Ebenso können durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille trockene Augen begünstigt werden, denn auch mit der Pille werden dem Körper weibliche Hormone zugeführt.

Betablocker

Betablocker haben eine große Anwendungsbreite. Hauptsächlich werden sie bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen eingesetzt, aber beispielsweise auch zur Behandlung von Migräne, Schilddrüsenüberfunktion oder grünem Star (Glaukom). Betablocker können als Nebenwirkung die Funktion der Tränendrüsen unterdrücken, so dass eine ausreichende Augenbefeuchtung nicht mehr gewährleistet wird. Häufig beobachtete Folgen sind trockene Augen, Schmerzen im Auge und Sehstörungen.

Anticholinergika

Zur Behandlung von Koliken oder chronischer Bronchitis dienen Anticholinergika. Sie unterbrechen das unwillkürliche Zusammenziehen der glatten Muskulatur, die die inneren Organe umgibt, und wirken somit krampflösend. Zusätzlich hemmen Anticholinergika die Funktion der Drüsen im Körper, indem sie die Weiterleitung von Signalen verhindern, welche die Drüsen benötigen, um Sekret abzugeben. Von dieser Wirkung sind die Tränendrüsen und beispielsweise auch die Speicheldrüsen betroffen. Mundtrockenheit und trockene Augen sind die Folge.

Antihistaminika

Allergische Erkrankungen wie zum Beispiel Heuschnupfen werden häufig mit Antihistaminika behandelt. Sie hemmen die Freisetzung des körpereigenen Botenstoffs Histamin, der allergische Reaktionen vermittelt. Wird Histamin blockiert, verbessern sich Allergiesymptome deutlich. Aber auch Antihistaminika können die Tränendrüsen hemmen, so dass nicht genug Tränenflüssigkeit für die Augenbefeuchtung vorhanden ist.

Tri- und Tetrazyklische Antidepressiva

Diese Psychopharmaka werden bei depressiven Erkrankungen und Angstzuständen verschrieben. Depressionen entstehen unter anderem deshalb, weil ein Mangel an Botenstoffen (Neurotransmitter) im Gehirn vorliegt. Tri- und Tetrazyklische Antidepressiva hemmen die Wiederaufnahme der Neurotransmitter in die Nervenzellen des Gehirns. So wird im Gehirn des Patienten der Mangel an Neurotransmittern ausgeglichen. Als Nebenwirkung vermindern die Antidepressiva die Absonderung von Tränen aus den Tränendrüsen, was zu Beschwerden am Auge führen kann.

Ergotamin

Der Arzneistoff Ergotamin wird bei akuten Migräne-Anfällen, mit oder ohne Aura (visuelle Wahrnehmungsstörung), und Cluster-Kopfschmerz eingesetzt. Da das Mittel bei Überdosierung lebensgefährlich werden kann und viele Nebenwirkungen aufweist, wird es nur noch selten verwendet. Ergotamin verengt die Blutgefäße, was ebenfalls zu trockenen Augen führen kann.

Neuroleptika

Die Arzneigruppe der Neuroleptika gehört zu den Psychopharmaka und wird bei Wahnvorstellungen, Verwirrungszuständen, starken Erregungszuständen und Halluzinationen verwendet. Viele Neuroleptika verhindern im Gehirn die Übertragung des Botenstoffs Dopamin, der auch als Glückshormon bezeichnet wird und für die Entstehung von Motivation und Aufmerksamkeit zuständig ist.

 

Die Nebenwirkungen der Psychopharmaka sind vielfältig: Hormonelle Störungen und Bewegungsstörungen bis hin zu Depressionen und Funktionsstörungen bestimmter Organe sind möglich. Auch die Augen können bei einer Anwendung von Neuroleptika austrocknen.

Reserpin

Reserpin senkt den Blutdruck, wird aber wegen seiner zahlreichen, teilweise schweren, Nebenwirkungen nur noch selten zur Behandlung von Bluthochdruck verwendet. Die Wirkweise von Reserpin im Körper ist komplex, es beeinflusst sowohl das zentrale als auch das periphere (äußere) Nervensystem. Unter anderem fördert Reserpin die Aktivität des Parasympathikus, des sogenannten Ruhenervs, der für die Erholung des Körpers zuständig ist. Daraus können unerwünschte Wirkungen wie eine Pupillenverengung, hängende Augenlider oder trockene Augen entstehen.

Diuretika

Thiazid-Diuretika (kurz Thiazide) dienen der Entwässerung und werden hauptsächlich bei Bluthochdruck und Wassereinlagerungen im Körper eingenommen. Thiazide fördern die Bildung und Ausscheidung von Harn. Somit senken sie das Blutvolumen und nach längerer Einnahme auch den Blutdruck. Da Thiazide in den Stoffwechsel des Körpers eingreifen, kann es unter anderem bei längerer Anwendung zu trockenen Augen kommen.

Trihexyphenidyl

Trihexyphenidyl findet Anwendung in der Behandlung der Parkinson-Krankheit. Das Arzneimittel wirkt entspannend auf die nicht bewusst steuerbare Muskulatur der inneren Organe (glatte Muskulatur), indem es die Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin hemmt. Dieser ist bei Parkinson-Erkrankten in erhöhten Mengen vorhanden. Unter anderem können die Speichel- und Tränendrüsen von Trihexyphenidyl in ihrer Sekretabgabe gehemmt werden, es kommt zu einem trockenen Mund und trockenen Augen.

 

Hinweis: Bei den genannten Medikamenten treten trockene Augen vor allem in Folge einer Langzeitanwendung auf. Trockene Augen sind belastend und können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Suchen Sie daher einen Arzt auf, wenn Ihnen die Augen Probleme bereiten. Mit der Anwendung von befeuchtenden Augentropfen können Sie die Beschwerden lindern.